Von Oliver Schwesig
Redakteur MDR FIGARO
 

Beitrag anhören
[ mp3 (~ 5 MB) ]

 
         
 

Webpage KULTURPORTALE.de

Das Internet wird immer mehr zu einer wichtigen Plattform für bildende Künstler. Dabei geht es vielen weniger bloß um eine eigene simple Internetseite, auf der die eigene Adresse zur Kontaktaufnahme hinterlassen wird, sondern sie nutzen das Netz ganz konkret, um eigene Kunstobjekte zu präsentieren. Darüber hinaus bietet das Netz auch ganz eigene Möglichkeiten der Entfaltung, weil es ein Mischmedium ist. Eine interessante Seite mit interessanter Kunst wollen wir Ihnen jetzt vorstellen. Auf www.kulturportale.de können Künstler sich in einer virtuellen Galerie eine "Wand" mieten, und dort ihre Werke aushängen. Oliver Schwesig hat sich die Seite angeschaut.

"Berühren." Nicht mehr und nicht weniger steht auf dem Bildschirm. Eins der kurzen und unkommentierten Musiktücke des Künstlers Haarmann auf seiner persönlichen Seite. Während die Musik weiter läuft, kann man sich durch seine Fotographien klicken. Bild und Ton gemeinsam – so hat Haarmann sich seine Kunst vorgestellt. Zusammen mit den insgesamt vier verschiedenen Musiken ergeben sich beim Betrachten immer wieder neue – quasi – Kunstmomente. Sein Foto "Fischmarkt" beispielsweise zeigt eine Reihe aufgehängter Gummistiefel. Dazu kann man die Musik "Berühren" laufen lassen und das Ganze bekommt eine surreale Note. Und ein völlig neuer Moment entsteht, lädt man das Stück "Streicher" dazu. Und aus der Unwirklichkeit wird plötzlich Trauer.

Zu finden sind die Kunstwerke von Haarmann und noch 21 weiteren Künstlern auf der Seite www.virtuelle-galerie.de, einer Unterseite der KULTURPORTALE.de. Die Startseite zeigt eine virtuelle runde Steinhalle, die als Galerie dient. Auf drei Etagen befinden sich verschiedene Türen. Hinter der größten von ihnen erhält man Zugang zu einer Liste der 22 Künstlern. Von dort aus kann man sich dann jeweils auf dessen eigene Seite - quasi die eigene Wand in der Galerie – durchklicken. Fotos, Gemälde, Skulpturen – die Palette der Kunstobjekte ist breit gefächert. Ein zusammenhangloser, aber spannender Mix: Verschwommende Fotos stehen neben großen Puzzles aus Holz. Haarmann ist allerdings der Einzige, der die auditiven Möglichkeiten des Internets nutzte und ein paar eigene Songs hochladen ließ.

Trotz der schönen Idee, eine echt aussehende Galerie ins Netz zu verlagern, wirkt die Seite unübersichtlich. Es braucht etwas Übung, um sich zurechtzufinden. Doch ein Besuch lohnt, weil die ausgestellten Kunstwerke so abwechslungsreich sind und weil es eben keinen zwingenden thematischen Rahmen gibt.

Die virtuelle Galerie ist nur ein Teil der Seite KULTURPORTALE.de. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Kunstschaffende und Rezipienten zu vernetzen. Und das nicht nur durch ein paar email-Listen. Zu jedem Künstler kann auch der Besucher per Mausklick direkt Kontakt aufnehmen. Es gibt Links zu Kultureinrichtungen und ein Podium mit News der beteiligten Künstler. Die Macher, eine Leipziger Firma, betätigen sich auch an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft und bieten einen "Kultur-Komplett-Service" an. Kunstinteressierte Unternehmen, können sich hier beraten lassen, wie man Kultur in die gesamte Firmenphilosophie integrieren kann.

 
     
  Quelle: 
Mitteldeutscher Rundfunk · MDR FIGARO · 13/01/2004
 
         
   

© KULTURPORTALE.de